Stiftskirche

Die Stiftskirche von Innichen ist der schönste Sakralbau romanischen Stils im Ostalpenraum. Als das vom bayrischen Herzog Tassilo III. im 8. Jahrhundert gegründete Benediktinerkloster zum hl. Candidus um 1143 in ein Kollegiatstift umgewandelt wurde, begann man mit dem Bau der Kirche, die ihre heutige Gestalt erst um 1280 bekam; der Glockenturm wurde erst in den Jahren 1320 bis 1326 errichtet. Das monumentale Mauerwerk erinnert an den Festungsstil der Kreuzritter und die vielen Burgen, die zur Zeit der Stauferkaiser errichtet wurden. Eine starke Gottesburg sollte auch die Kirche sein.

Innenansicht

Ein Blick in die dreischiffige Kirchenanlage zeigt das Streben der romanischen Kunst nach reicherer Gliederung des Raumbildes durch ein harmonisches Verhältnis von Stütze und Last und die Einbeziehung eines Querschiffes, dessen Schnittpunkt mit dem Hauptschiff von einer Kuppel überwölbt ist, vor allem aber das tiefe religiöse Erleben des mittelalterlichen Menschen, der in allem Sichtbaren nur ein schattenhaftes, aber ins Transzendentale weisendes Abbild der ewigen Welt sah. Wie das Bild des Außenbaues, wird auch das des Innenbaues von einem mächtigen Mauerwerk bestimmt, das die Glaubenskraft des frommen Erdenpilgers symbolisiert. Der Glaube ist wie eine starke Burg, die den Menschen vor allen Gefahren schützt.

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Die Kreuzigungsgruppe

Die Kreuzigungsgruppe ist eine der bedeutendsten Schöpfungen der hochmittelalterlichen Bildhauerkunst, das Werk eines in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts im Hochpustertal tätigen Meisters. Nicht als gemarterter Mensch sondern als königlicher Besieger von Leiden und Tod, als Auferstandener und Gottessohn ist der Gekreuzigte dargestellt.

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Südansicht
Wie die Ost-, Nord- und Westseite  bietet auch die Südansicht der Stifskirche das Bild eines wehrhaften  Burgenbaues. Die himmelwärts weisende vertikale Linienführung des klobigen Glockenturmes steht zur horizontalen Erdgebundenheit des übrigen Kirchenbaues in einem harmonischen Verhältnis. Das Neben- und Ineinander von horizontal und vertikal gelagerten Baukörpern symbolisiert die Pilgerfahrt des gläubigen Menschen von der zeitgebundenen irdischen zur zeitlosen himmlischen Heimat.
Südportal
Das Südportal gehört zu den schönsten Werken der romanischen Bildhauerkunst. Die Skulptur in der Rundung stammt aus der Mitte des 13. Jahrhunderts; sie stellt Christus als Weltenrichter, umgeben von den Evangelistensymbolen, dar. Die um 1450 geschaffenen Fresken sind Werke des Pustertalers Michael Pacher, der zu den größten Meistern der Spätgotik gehört. Dargestellt sind die Stiftspatrone St. Candidus und St. Korbinaian, sowie Kaiser Otto I, der Gründer der freisingischen Herrschaft Innichen, die bis 1803 bestand.
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Hauptportal
Der plastische Schmuck des monumentalen Hauptportals entstand 1250. Die Plastik in der Rundung wurde leider um 1725 zerstört und mit einem Ölgemälde eines unbekannten Künstlers ersetzt; dargestellt sind Kaiser Otto I., Herzog Tassilo III. und dessen Gemahling Luitbirg. Auf dem Fries sieht man rechts Symbole des Guten (Tauben, Weinreben), links Symbole des Bösen (Bock, Schlange).
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Kuppelfresko

Das Kuppelfresko ist das größte erhaltene Monumentalfresko romanischen Stils. Es zeigt in Einzelbildern die biblische Darstellung der Schöpfungsgeschichte: Gott erschafft das Licht und trennt es von der Finsternis, er erschafft Sonne, Mond und Sterne, er trennt das Wasser und das Land, erschafft die Pflanzen, die Tiere und schließlich als Krone der Schöpfung den Menschen. Auf dem letzten Bild sehen wir die Vertreibung des in die Sünde gefallenen und deshalb erlösungsbedürftig gewordenen ersten Menschenpaares aus dem Paradies. Dieses großartige Bildprogramm entstand um 1280. Der hier gezeigte Ausschnitt gibt die Erschaffung der Landtiere wieder; kunsthistorisch interessant ist das „Selbstbildnis“ des Malers (Mann mit Kapuze).

Krypta
Die Krypta unter dem Hochchor wurde im 12. Jahrhundert erbaut und nach 1200 eingewölbt. Nach mittelalterlicher Vorstellung symbolisierte das Kirchenschiff das Diesseits, die Krypta das Fegfeuer und der Hochchor den Himmel. Die Krypta war vor allem ein Raum des Gebetes für die im Fegfeuer büßenden Verstorbenen; sie diente auch als Begräbnisstätte der verstorbenen Pröpste und Stiftsdekane. Einige Säulenkapitelle dürften noch aus der Kirche des im 8. Jahrhundert von Herzog Tassilo gegründeten Bendiktinerklosters stammen. Die Statue des Stiftspatrones St. Candidus wurde von einem einheimischen Bildhauer um 1240 geschaffen.
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Infos zum Besichtigen
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Öffnungszeiten
Täglich geöffnet
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Adresse
Pflegplatz
39038 Innichen (BZ)
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Kontakt
Besichtigung:
Tourismusverein Innichen 
Tel. +39 0474 913149
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