Pfarrkirche zur hl. Magdalena in Vierschach

Die archäologisch interessante Anhöhe von Vierschach mit der Pfarrkirche zur hl. Magdalena ist sicher einer der schönsten Kirchhügel des Landes.

Obwohl Vierschach erst 1891 eine eigene Pfarrei wurde – bis 1684 gehörte es zu Sillian und später zu Winnebach, wenn auch ab 1786 als eigene Filialkirche –, erfolgte die erste Kirchenweihe bereits im Jahre 1212. Der untere Teil der heutigen Langhausmauern stammt sicher noch aus dieser Zeit. Diese erste Kirche war wohl ein rechteckiger Saalbau mit einer östlich angesetzten kleinen Apsis und einer ebenen Holzdecke. Aus der Zeit um 1300 stammen auch die letzten noch erhaltenen Reste einer frühgotischen Freskenmalerei: St. Ursula mit ihren Gefährtinnen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Kirche ursprünglich dieser Heiligen aus adeligem Geblüt geweiht war, da die bis ins Spätmittelalter verehrten Heiligen fast ausnahmslos aus fürstlichem oder wenigstens adeligem Geschlechte stammten. Neben der hl. Ursula galt aber zumindest als Nebenpatronin immer schon die hl. Magdalena, die ihre „Rivalin“ schließlich ganz verdrängte. Dass diese Heilige vom Volke sehr verehrt wurde, zeigen die an ihrem Festtag, dem 22. Juli, früher von allen Nachbarorten veranstalteten Kreuzgänge nach Vierschach: Allein von Innichen aus fanden jährlich drei Kreuzgänge dorthin statt.
Um 1470 begann der Innichner Baumeister Andrä Firtaler mit der Gotisierung. Langhaus und Apsis wurden erhöht und ein gotisches Rippengewölbe eingezogen, ebenso wurden die wahrscheinlich nur kleinen romanischen Rundfenster durch schlanke, spitzbogige gotische Fenster ersetzt. Zum Ausgleich des Gewölbeschubs wurden die Langhausmauern außen durch Strebepfeiler verstärkt, durch die der Außenbau in gefälliger Harmonie gegliedert wurde. Im Jahre 1479 erfolgte die Neueinweihung. Im Jahre 1910 wurde das Langhaus um ein Gewölbejoch verlängert. Die kleine Friedhofskapelle mit dem Kriegerdenkmal vom Innichner Maler Rudolf Lanzinger stammt aus der Zeit um 1500. Seine romanische Form behielt nur der Turm.
Alles Störende, das diesen schönen gotischen Bau seit seiner glücklicherweise nicht allzu tiefgreifenden Barockisierung im 18. Jahrhundert verunzierte, konnte Mitte der 1960er-Jahre durch eine gründliche Restaurierung beseitigt werden, und heute dürfte dieses Heiligtum wieder die Raumwirkung haben, die ihm Firtaler einst gegeben hat. Durch Runddienste, Gewölberippen, eingezogene Strebe- und Wandgurten und andere Bauelemente wird der Raum auf ansprechende Weise gegliedert, in dem die tragenden Teile geradezu dekorativ wirken. Die Malereien an den Schlusssteinen und Vierpässen – Bilder des Auferstandenen, der Heiligen Magdalena, Sebastian und Katharina und die Evangelistensymbole – bestanden mit Sicherheit bereits im Weihejahr 1479. Von der übrigen gotischen Kirchenausmalung sind allerdings nur wenige Reste erhalten geblieben, darunter Werke des damals erst ungefähr 25 Jahre alten Simon von Taisten: die Madonna am Triumphbogenpfeiler, das Schutzmantelbild an der nördlichen Seite des Chores und das Fragment einer Anbetung der Könige. Auf dem Triumphbogen hat sich der selbstbewusste Baumeister Andrä Firtaler verewigt.
Die gotische Einrichtung – Altäre, Kanzel – wurde im 18. Jahrhundert durch eine barocke ersetzt. Als die barocken Altarblätter im 19. Jahrhundert wiederum neugotischen Altären aus der Werkstatt Josef Stauders aus Innichen weichen mussten, blieben sie erhalten; die drei Bilder hängen nun an den Chorwänden: St. Magdalena, St. Sebastian und St. Petrus. Obwohl nur das Letztgenannte mit Seb. Unterberger signiert ist, dürften doch alle drei Bilder von diesem großen Meister stammen. Die Statuen von St. Nikolaus und St. Barbara hingegen dürften Reste des ursprünglichen gotischen Altars sein; es könnte sich um Werke des Brixner Bildhauers Ruprecht Potsch handeln, der um 1530 lebte. Die Magdalenenstatue dürfte etwas jünger sein.
Zweifellos ist die Pfarrkirche zur hl. Magdalena auf dem stillen Kirchhügel von Vierschach ein Juwel der Tiroler Gotik und eines der gelungensten Werke des Meisters Andrä Firtaler.
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