Pfarrkirche zum hl. Nikolaus in Winnebach

Wann die erste Kirche in Winnebach gebaut wurde, ist den vorhandenen Archivquellen nicht zu entnehmen. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass ein Saalbau vorromanischen Stils mit flacher Holzdecke und einer kleinen Apsis bereits spätestens um die Mitte des 12. Jahrhunderts bestand. Dass die Gegend schon in vordeutscher Zeit besiedelt war, beweisen die verhältnismäßig häufigen Flur- und Hofnamen romanischer Prägung, darunter Patzlein, Jaufen, Parggen, Kantschieden u. a., auch wenn es sich dabei um Streusiedlungen ohne übergeordneten, gemeinsamen Ortsnamen handelte.

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Der Siedlungsausbau und die damit verbundene Schaffung eines Ortskerns war erst das Werk bajuwarischer Kolonisatoren, weshalb die im Zuge der hochmittelalterlichen Binnenkolonisation um die Jahrtausendwende entstandene neue Ortschaft auch einen deutschen Namen bekam: Winnebach – die Siedlung am wütenden (mittelhochdeutsch winnen) Bach. Von den aus der brüchigen Phyllitgesteinszone kommenden Bächen (Mitteregger-, Walderbach u. a.) wurde das Dorf oft genug bedroht und teilweise auch verwüstet, wie unschwer zu erkennen ist. Der geschlossene und siedlungsgeschichtlich jüngste Teil der Ortschaft liegt auf den beiden Abdachungen eines mächtigen Schuttkegels; nur die Kirche, die sonst meistens das Zentrum des Dorfkerns bildet, steht auf einem aussichtsreichen Hügel.
Schutzherr der Pfarrgemeinschaft ist der alte Wasserpatron St. Nikolaus, dessen Patrozinium häufig in Orten gewählt wurde, die von jeher mit ungestümen Wildbächen zu kämpfen haben.
Erst 1507 scheint die Winnebacher Pfarrkirche erstmals urkundlich auf. In diesem Jahre wurde sie geweiht. Der vermutlich zuvor bestehende vorromanische Saalbau wurde wohl um 1500 in gotischem Stil erweitert und vergrößert. Der elegante Kirchenbau mit Spitzbogenfenstern und -portal hat sein gotisches Äußeres bewahrt; ebenso sind Grund- und Aufriss mit Strebe- und Wandpfeilern, leicht einspringendem Triumphbogen und polygonalem Chorabschluss noch in gotischer Form erhalten. Das Gewölbe wurde jedoch 1821 seiner Rippen beraubt. Vom ursprünglichen Freskenschmuck der Winnebacher Kirche ist nur noch eine Krönung Marias und die Darstellung der Nikolauslegende aus der Zeit um 1505 erhalten. Aus dem 17. Jahrhundert stammt das Epitaph der Familie Klettenhammer mit den Stiftern in architektonischer Rahmung. Die Malereien in der Vorhalle (1636) und am Gewölbe (1817) sind etwas ungeschliffen.
Sind von den ursprünglichen Fresken nur kümmerliche Reste erhalten oder bisher freigelegt worden, so findet man von der ursprünglichen Einrichtung überhaupt nichts mehr: Altäre, Kanzel und Beichtstühle stammen aus dem frühen 19. Jahrhundert, spiegeln jedoch einen einheitlichen und beschwingten ländlichen Barock wider. Die Vorliebe für den Barock ist im Volk bis heute vorherrschend, aber auch manche Pfarrer konnten sich davon wohl das ganze 19. Jahrhundert hindurch noch nicht so ganz frei machen, wie es ein Kurat in einer Tagebuchnotiz aus dem Jahre 1860 ausdrückt: „Nun haben wir endlich dieses gotische Gerümpel aus dem finsteren Mittelalter hinausgeworfen.“
Nur die Statue des hl. Silvester am linken Seitenaltar entstand im späten 15. Jahrhundert; sie gehört aber nicht zur ursprünglichen Einrichtung der Kirche, da sie bis 1786 in der Silvesterkapelle auf der Alm stand. Für die Kapelle wurde um 1900 eine Kopie angefertigt, die knapp hundert Jahre später gestohlen und nicht mehr wiedergefunden wurde. Auch wenn die einstige gotische Innenansicht durch die vielen barocken Zutaten etwas verunstaltet wurde, bietet die Kirche doch einen erfreulichen Anblick, wirkt gepflegt und sorgsam behütet.
Zum Kirchhügel empor führt ein steiler Kreuzweg mit vier Kapellenbildstöcken. Die Holzfiguren dieser Bildstöcke aus der Zeit um 1700 stellen in grob-realistischem Bauernbarock Szenen aus der Passion dar: Ölberg, Geißelung, Dornenkrönung, Kreuztragung; dazu gehört auch die im Friedhof freistehende Kreuzigungsgruppe.