Franziskanerkirche

Kennzeichnet die große romanische Stiftskirche die Idee des “Himmlischen Jerusalems”, die Michaelspfarrkirche den hellen Festraum des Barock und die Grabeskirche die volksfromme Vorstellung vom Leiden und Sterben Jesu, so kommt in der Franziskanerkirche die Reduktion auf das Wesentliche zum Tragen.

Franziskanerkirche

Die in der Gegenreformation errichteten Ordenskirchen der Franziskaner und Kapuziner heben sich von denen der traditionellen besitz- und kulturträchtigen Stifte durch ihre schlichte und klare Bauweise ab. Den Plan der 1697 durch den Brixner Fürstbischof geweihten Klosterkirche, erstellte der Franziskanerbruder Vitus Rastbichler aus dem Ötztal. Der Verzicht auf einen hohen Glockenturm, auf komplizierte Wölbungen und Deckengemälde soll das Armutsideal verdeutlichen. An das Langhaus ist im Eingangsbereich die kleine Antoniuskapelle angefügt, die für die Privatandacht bestimmt ist. Das Chorgebet verrichteten die Patres ursprünglich auf der Empore. Von der ersten Ausstattung der Kirche ist nur mehr wenig auf uns gekommen, darunter die großen Ölbilder an den Seitenaltären und die Franziskanerheiligen an der Südwand. Die heutigen Altäre sind zierliche Arbeiten des Rokoko. Mit der 1992/94 behutsam durchgeführten Restaurierung rückte das Kloster seinem ursprünglichen Aussehen näher (Verleihung des Europa-Nostra-Preises im Juni 1994).

Der Kreuzgang

Der Kreuzgang besitzt mit dem aus 31 Bildtafeln bestehenden Franziskuszyklus eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges. In über 70 Einzelszenen wird das Leben des Ordensgründers Franz von Assisi erzählt, wie es die Biographen des 17. Jahrhunderts sahen.
Fr. Lukas Plazer, selbst Sohn eines bescheidenen Überetscher Lokalmalers, hat die Bilder 1706-1709 ausgeführt. Kupferstiche des Augsburgers A. Wolffgang hatten zum Teil als Vorlagen gedient. Nimmt man sich zum Lesen der Bildtafeln Zeit - im barocken Deutsch werden die wunderbaren Begebenheiten gedeutet - so gewinnt man Einblick in die religiösen Volksvorstellungen der Zeit um 1700. Anschaulich geschildert wird das Aussehen der Innenräume von arm und reich, die modische Kleidung feiner Damen, die schäbigen Kutten der armen Brüder und der Glanz, den man zum Schmuck der Kirchen und Altäre aufbrachte. Die Innichner Kreuzgangstafeln sind die ausführlichste Darstellung des Franziskuslebens, die der Volksbarock in Mitteleuropa hervorbrachte. Einflußreiche Bürger und Adelige hatten sie gestiftet. Um den Kreuzgang mit dem erneuerten Ziehbrunnen gruppieren sich die für das Klosterleben wichtigen Räume: Pforte, Waschküche, Küche und Kellerräume für den Wintervorrat, Refektorium und Sakristei.

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Die Altäre

Besondere Kostbarkeiten umschließen die mit Intarsien versehenen Altaraufbauten aus der Werkstatt der Tischler Franz Schraffl aus Toblach und Johann Josch aus Bozen. Das Hochaltarbild mit Maria und dem göttlichen Kind, die von den Heiligen Leopold von Österreich und Franziskus verehrt werden, schuf der an der Wiener Akademie geschulte Christoph Unterberger. Das rechte Seitenaltarbild (hl. Theresia v. Avila und Petrus von Alcàntara) stammt vom Veroneser Barockmaler Antonio Balestra, 1715; das Immakulata-Bild am linken Seitenaltar – wahrscheinlich von Johann Hofmann d. Ä. – um 1675. Die kleineren Bilder im Altaraufsatz sind von dem aus Schlesien stammenden Carl Henrici, 1769. Die Stationenbilder schuf Michael Hudetz 1733, die beiden Hauptheiligen des Ordens beim Tabernakel der virtuose Barockmaler Christoph Anton Mayr, 1769.

Grabdenkmäler

Auf den gesamten Kirchraum verteilt sind mehrere Grabdenkmäler von Personen, die sich besonders um die Kirche verdient gemacht haben. Das Stiftergrab des Michael Dinzl liegt im Chor, in der Antoniuskapelle wurden die Stiftskanoniker Dominikus Schraffl und Johann Kaspar Troyer von Aufkirchen bestattet.

Hl. Johannes Nepomuk

Das Wasser des nahen Sextnerbaches hatte das Kloster mehrmals in arge Mitleidenschaft gezogen. Die Skulptur des hl. Johannes Nepomuk an der Nordwand der Kirche sollte vor größeren Wasserschäden bewahren. Es ist eine Arbeit des Innichner Bildschnitzers Andreas Fasching (1689–1745). Die zur Weihnachtszeit in der Antoniuskapelle aufgestellte große Barockkrippe und den Posaunenengel am Kanzeldach schuf sein Sohn Johann, um 1765. Die Holzfiguren an den Altären sind Arbeiten des in Innichen geschulten Lienzer Bildhauers Johann Paterer, der durch seine zahlreichen Prozessionsgruppen mit den in den Lüften schwebenden Schutzengeln Bekanntheit erlangte.