Die Loretokapelle

Wie der Innichner Georg Paprion war auch der Winnebacher Gastwirt Johann Klettenhammer ein eifriger Wallfahrer. Beide lebten um dieselbe Zeit, und wie das von Paprion erbaute Außerkirchl in Innichen ist auch das von Klettenhammer errichtete Loretokirchlein ein eindrucksvolles Zeugnis barocker Volksfrömmigkeit.

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Beim Bau der Pustertaler Eisenbahn im Jahre 1870 musste das weitum bekannte Gasthaus Klettenheim, das neben der Kapelle stand, abgebrochen werden – nur das von den Einheimischen für gewöhnlich Klettenhammerkirchl genannte Heiligtum blieb stehen. Es befindet sich an der Talstraße unterhalb der Abzweigung nach Winnebach. Auch die unweit des Kirchleins gelegene Brücke über die Drau wird im Volksmund Klettenhammerbrugge genannt.
Die kleine italienische Stadt Loreto südöstlich von Ancona muss bereits im 17. Jahrhundert ein beliebter Wallfahrtsort gewesen sein, da es in vielen österreichischen Orten Nachbildungen der dortigen Gnadenkapelle gibt. Einer alten Legende nach trugen Engel das Häuschen der Heiligen Familie von Nazareth zunächst nach Tersatto in Istrien (heute Trsat in Kroatien) und dann nach Loreto. Der 10. Dezember war noch bis ins 19. Jahrhundert hinein ein Bauernfeiertag und beging – so wörtlich in den Innichner Verkündbüchern der Jahre 1804 bis 1806 vermerkt – „die Gedächtnis der englischen Übertragung des hl. Nazarethanischen Hauses von Terrsatto nacher Loreto“.
Johann Klettenhammer hatte von einer Pilgerfahrt nach Loreto eine Kopie des dortigen Gnadenbildes mitgebracht und dafür neben seinem Haus ein Kirchlein in Stil und Form der Gnadenkapelle in der Basilika vom Heiligen Haus in Loreto gebaut. So legten manche wohlhabenden und frommen Bürger damals ihr Kapital an.
Die Weihe der Kapelle erfolgte 1650. Im Jahre 1761 wurde das Kirchlein von Geröll und Schlamm aus dem Mitteregger- und dem Mühlbach so stark vermurt, dass es an einen höher gelegenen Ort verlagert werden musste. Auch in den Jahren 1719, 1755, 1763, 1882 und zuletzt erst 1965 brandeten riesige Geröllmassen gegen die Mauern des Heiligtums. Dass es die entfesselten Elemente nie zu zerstören vermochten, empfand die fromme Bevölkerung als ein Wunder, und so wurde die Loretokapelle immer mehr das Ziel vieler Hilfesuchender; das bezeugen auch zahlreiche Votivtafeln. Das Fresko an der Außenmauer stellt die legendäre Übertragung des Hauses der Gottesmutter Maria nach Loreto dar.